Wieso ein Mann seine Frau nicht schlagen darf

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Wieso ein Mann seine Frau nicht schlagen darf

بسم الله الرحمن الرحيم Mit dem Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

109. Beschluss des European Council for Fatwa and Research (24/3)

Wieso ein Mann seine Frau nicht schlagen darf

Die Behandlung von nušūz

Der European Council beschließt Folgendes:

Es gibt eine Reihe von autoritativen Prinzipien, die umgesetzt werden müssen, um zu einem begründeten Urteil in der Frage der Behandlung von nušūz zu gelangen. Diese sind:

Erstens: Die Sorge um die Familie sowie ihr Schutz gehört zu den grundlegenden Rechtszwecken der Scharia, da diese den Eckpfeiler einer jeden noblen Gesellschaft bildet.

Zweitens: Die ehelichen Beziehungen haben auf der Ruhe, der Barmherzigkeit und der Liebe zu beruhen. Das impliziert Zusammenarbeit, gegenseitige Unterstützung, Beistand und Hilfe. Ein jeder von ihnen hat den anderen in seiner Menschlichkeit, seiner Würde und in seinen Rechten zu respektieren. Auch bedingt das das gegenseitige Nachgeben und die gute Beratschlagung.  Schließlich sind die Gläubigen Geschwister; sie unterstützen sich gegenseitig.

Drittens: Im Falle von familiären Streitigkeiten mag es vorkommen, dass dem Ehemann ein bestimmtes Verhalten seiner Ehefrau missfällt, während ihm allerdings ein anderes Verhalten ihrerseits gefällt. So ist ihm vielleicht etwas zuwider, während Allah viel Gutes in es hineinlegt. Hier hat er also seine Sorge nicht die Klage über die Mängel seiner Frau zu machen, während er seine eigenen Mängel ignoriert. Schließlich gibt es außer den Propheten keine vollkommenen Menschen.

Viertens: Im Falle der Verschärfung von Familienproblemen, in welchen die Ehefrau dem Ehemann missfällt, die Ehefrau ihren Ehemann auf eine unziemliche Weise behandelt, welche eine Form der Arroganz oder Verachtung darstellt, oder aber dass sie ihre ehelichen Pflichten vernachlässigt, wie sie von Allah dem Erhabenen festgelegt und von Seinem Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erläutert wurden, verwendet der ehrenvolle Koran den Begriff nušūz. Der 34. Vers der Sure an-Nisāʾ (4:34) weist den Mann an, mit Weisheit und schöner Ermahnung ein gegenseitiges Verständnis mit seiner Ehefrau zu erreichen, um für diese Streitigkeiten eine gerechte Lösung zu finden. Wenn dies nicht zu einer zufriedenstellenden Lösung führen sollte steht es ihm zu, sie auf friedliche Weise im Bett zu meiden. Das möge als ein Ausdruck der Missbilligung verstanden werden in der Hoffnung, dass seine Ehefrau über ihr Verhalten reflektiert und damit aufhört, ihm durch Taten oder Worte Leid zuzufügen oder ihn zu verärgern. Auch gilt das für den Fall, dass sie seine Verantwortung nicht anerkennt, welche Allah ihm auftrug (qiwāma),  sowie seine Familienleitung im Rahmen von Gerechtigkeit, Konsultation und gegenseitigem Verständnis mit seiner Ehefrau.

Fünftens: In dem Fall, in dem die beiden oben genannten Schritte scheitern, gibt es keinen islamrechtlichen Hinderungsgrund  an einer Scheidung, wenn er dies wollte. Das ist eine erlaubte Handlung, die allerdings nicht gefördert wird, sollte es eine weniger schädliche Lösung als die Scheidung geben. Schließlich gibt das die Chance, die Familieneinheit zu schützen und die zahlreichen negativen Auswirkungen abzuwenden, die aus dem Familienzerfall resultieren.

Was jedoch den dritten Schritt anbetrifft, auf den im oben genannten Vers hingewiesen wird in der Aussage des Erhabenen: „und schlagt sie“, so hat diese Handlung im Gesamtkontext verstanden zu werden. Schließlich ehrte Allah – der Erhabene – die Frau genauso, wie Er auch den Mann ehrte. Sicherlich hat Er weder ihre Verachtung noch Geringschätzung für zulässig erklärt. Ja gar hat die Sunna das ausdrücklich verboten. Was von diesem Ausdruck “und schlagt sie” in Bezug auf eine nāšiz Frau verstanden werden kann, ist am besten durch die Praxis des Propheten zu verstehen, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Bekanntlich beauftragte ihn Allah mit der Interpretation des Koran. Diese Interpretation zeigt auf, dass er niemals irgendeine seiner Ehefrauen in seinem Leben auch nur einmal schlug, ja gar verurteilte er denjenigen der dies tat.

Durch Reflexion über die islamrechtlichen Texte der Scharia und Berücksichtigung der universellen und partikularen Rechtszwecke erwägen wir das Untersagen des Schlagens. Das erfolgt aus Berücksichtigung der zeitgenössischen Tradition und der vorherrschenden Gesetze, welche mit der prophetischen Praxis harmonieren.

Auf dieser Grundlage empfiehlt der European Council den Muslimen in Europa Folgendes:

  • Den Muslimen in Europa und anderswo obliegt es, sich an den Koran und die Sunna bezüglich der gegenseitigen und vervollkommnenden Rechte und Pflichten zwischen dem Ehemann und der Ehefrau zu halten. Das schließt die Hinzuziehung präventiver und frühzeitiger Maßnahmen ein, um die Verschärfung von Familienproblemen zu verhindern. Es obliegt ihnen, unter keinen Umständen auf das Schlagen zurückzugreifen, ob das nun leicht oder auch nur symbolisch sein sollte. Hierbei sollen sie sich ein Beispiel am Gesandten Allahs nehmen, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
  • Dass sie die islamische Kultur verbreiten, welche die muslimischen Männer und Frauen in ihrer Religion aufklären, insbesondere in Bezug auf die Familienregelungen. Hierbei haben sie jedweden Versuch der Missinterpretation oder -auslegung des genannten Verses zu vermeiden.

(Die 24. Konferenz fand vom 16.-19. August 2014 statt.)

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2019-01-10T01:21:30+00:00

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