Sind Pandemien und Katastrophen eine göttliche Strafe?

//Sind Pandemien und Katastrophen eine göttliche Strafe?

Sind Pandemien und Katastrophen eine göttliche Strafe?

بسم الله الرحمن الرحيم Mit dem Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

181. Fatwa des European Council (30/1)

Sind Pandemien und Katastrophen eine göttliche Strafe?

Frage:

Sind Pandemien und Katastrophen eine Strafe Allahs an die Menschen?

Antwort:

Plagen und Katastrophen, die sich im Leben der Menschen ereignen, gehören zur Natur des Lebens. Weder Individuen noch Gemeinschaften können sich vor Unheil in Sicherheit wähnen, trotz ihrer verschiedenen Stellungen. Prüfungen ereignen sich durch Schlechtes und Gutes: „Jede Seele wird den Tod kosten. Und Wir prüfen euch mit Schlechtem und Gutem als Versuchung. Und zu Uns werdet ihr zurückgebracht.“ (al-ʾAnbiyāʾ/die Propheten 21:35). Ibn Kaṯīr sagt in der Erläuterung dieses Verses: „Das bedeutet: Wir prüfen euch manches Mal durch Unheil, und manches Mal durch Gaben, um zu sehen, wer dankbar und wer undankbar, wer geduldig und wer hoffnungslos ist.“ Zu den Grundpfeilern des Islam gehört der Glaube an die Vorherbestimmung, im Guten wie im Schlechten. Das gilt sowohl für den Fall, in welchem wir die Weisheit Allahs, des Erhabenen, erkennen, als auch wenn wir in Unkenntnis über diese sind. Dieser tief verwurzelte Glaube jedoch hindert einen Muslim nicht am Nachsinnen und an der Ermahnung.

Wenn eine weltweite Katastrophe die Menschen insgesamt heimsucht, unabhängig davon wie rechtschaffen sie sind, kann es sich um eine Mahnung an die gesamte Menschheit handeln.  Sie möge erkennen, dass ganz gleich welchen materiellen und wissenschaftlichen Fortschritt sie erreicht, sie nicht die spirituellen und ethischen Aspekte vernachlässigen darf. Die Menschheit ist angehalten, ihre Verbindung zum hoch erhabenen Schöpfer zu stärken und Grundtugenden, wie soziale Gerechtigkeit, friedvolles Zusammenleben, Achtung der Menschenwürde, sowie kollektive Zusammenarbeit zu Güte und Gottesfurcht einzuhalten.

Prüfungen sind demnach keine Vergeltung an den Menschen, schließlich ist Allah gnädig, barmherzig: „Allah ist zu den Menschen wahrlich gnädig, barmherzig.“ (al-Baqara/die Kuh 2:143). Vielmehr ereignen sich Prüfungen, um bestimmte Weisheiten zu offenbaren und einen Zweck zu erfüllen. Zu diesen gehören die folgenden:

Die Menschen an die Gaben Allahs zu erinnern, wenn sie Verlust erleiden. Es schätzt die Gabe der Gesundheit schließlich nur, wer von Krankheit geplagt wird, sowie die Gabe der Sicherheit nur erkennt, wer in Angst lebte. Der Mensch ist der Güte Allahs, des Erhabenen, aufgrund von Gewohnheit häufig unachtsam. Bei diesen handelt es sich um äußere und innere Gaben. Allah, der Erhabene, sagt: „Seht ihr nicht, dass Allah euch das, was in den Himmeln und was auf der Erde ist, dienstbar gemacht hat, und euch mit Seinen Gunsterweisen überhäuft hat äußerlich und innerlich? Doch gibt es unter den Menschen manchen, der über Allah ohne (richtiges) Wissen, ohne Rechtleitung und ohne erleuchtendes Buch streitet.“ (Luqmān 31:20). Immer, wenn sich ein Diener an die Gaben Allahs erinnert, nimmt sein Dank Ihm gegenüber zu. Dies mündet in Genügsamkeit mit dem, was Allah ihm durch Seine Gunst hat zukommen lassen.

Die Mahnung an Seinen Diener, kontinuierlich zu Allah, dem Erhabenen, zu fliehen und von Ihm Schutz und Hilfe zu erbitten. Der Mensch sucht bei Plagen und in der Not naturgemäß nach jemandem, der ihn errettet und ihm hilft. Wenn der Mensch erkennt, dass es Allah ist, der ihm beisteht und ihn vor diesen schweren Zuständen schützt, bewirkt das in ihm Gemütsruhe und Zuversicht. Diese hilft ihm wiederum, den Prüfungen gewachsen zu sein und befreit ihn davon, an etwas anderem festzuhalten als Allah: „O ihr Menschen! Ihr seid die Armen gegenüber Allah, und Allah ist der Reiche, der Rühmenswerte.“ (Fāṭir/Der Erschaffer 35:15). Der Mensch äußert seine Zuflucht zu Allah in Notsituationen durch Bittgebete und Unterwürfigkeit: „Und wenn Wogen wie Schattendächer sie überdecken, rufen sie Allah an, (wobei sie) Ihm gegenüber aufrichtig in der Religion (sind). Wenn Er sie nun ans Land errettet, zeigen einige von ihnen ein gemäßigtes Verhalten. Und Unsere Zeichen verleugnet nur jeder sehr Treulose und sehr Undankbare“ (Luqmān 31:32). Auch sprach Allah: „Wenn sie doch nur, als Unsere Gewalt über sie kam, unterwürfig gefleht hätten!“ (al-Anʿām/das Vieh 6:43). 

Leid und Unglück können ebenfalls eine Warnung davor sein, Sünden und Verfehlungen zu begehen. Es gehört zur Barmherzigkeit Allahs gegenüber Seinen Dienern, dass Er sie ermahnt und vorwarnt, sodass sie vom Unrecht an sich selbst ablassen. Der Leidtragende einer Sünde ist derjenige, der sie begeht und seine Mitmenschen. Allah selbst werden die Taten der Menschen weder nützen noch schaden. Angesichts dieser Warnung sind alle Menschen ebenbürtig: Sowohl die Gläubigen als auch die Nichtgläubigen. Eine Plage ist daher keine Vergeltung, sondern eine Mahnung und Warnung vor den Verfehlungen, die ein Mensch begeht, auf dass er sich von diesen entfernen möge: „Und was immer euch an Unglück trifft, es ist für das, was eure Hände erworben haben. Und Er verzeiht immer noch vieles.“ (aš-Šūrā/die Beratung 42:30).

Es gehört zu den besonderen Auszeichnungen des Propheten Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, als abschließenden Gesandten, dass Allah Seinen Dienern Gunst erweist: Er sieht von vernichtenden Strafen im Diesseits ab, mit welchen Er frühere Völker ganz auslöschte. Die Abrechnung schiebt Allah auf das Jenseits auf, um ihnen die Möglichkeit zur Reue und Umkehr im Diesseits zu geben. Aus diesem Grund bat der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nicht um Schlechtes für seine Widersacher. Es ist von Abū Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überliefert, dass er sagte: „Es wurde gesagt: »O Gesandter Allahs, ruf Allah gegen die Götzendiener an.« Er sprach: »Ich wurde nicht als Flucher gesandt. Ja, ich wurde nur als Barmherzigkeit entsandt.«“ (Muslim). Aṭ-Ṭabarī erwähnte in der Erläuterung zu den Worten Allahs „Und Wir senden die Zeichen (mit den Propheten) nur, um Furcht einzuflößen“ (al-ʾIsrāʾ/die Nachtreise 17:59) die Aussage Qatāda’s: „Allah lässt die Menschen fürchten durch welche Zeichen Er will, auf dass sie daraus Lehren ziehen, gedenken oder umkehren mögen. Es wurde uns berichtet, dass sich in Kufa [Stadt im heutigen Irak] zur Zeit Ibn Masʿūds ein Erdbeben ereignete und dieser daraufhin sprach: »O Menschen, Allah gewährt euch Gnade, so ersucht Sein Wohlgefallen.« Es wurde von al-Ḥasan überliefert, dass er den Vers „Und Wir senden die Zeichen (mit den Propheten) nur, um Furcht einzuflößen“ mit „der verheerende Tod“ kommentierte.

Prüfungen sind übergreifend und umfassen Gläubige und Nichtgläubige. Der Gläubige ist mehr Prüfungen ausgesetzt als andere, sein Glaube hilft ihm, Leid geduldiger zu ertragen. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sprach in einer authentischen Überlieferung: „Die am schwersten geprüften sind die Propheten, worauf die Rechtschaffenen folgen. Darauf folgen die, die ihnen an Vorzüglichkeit folgen.“

Es ist anzumerken, dass jene Prüfung, welche als Warnung vor Sünden auferlegt wird, sämtliche Handlungen umfasst, in welchen der Mensch den richtigen Pfad verfehlt, sei dies in seiner Beziehung zu seinem Schöpfer, seinem Bruder in der Menschlichkeit oder zur Welt, die ihn umgibt. Es ist offensichtlich, was auf all diesen Ebenen an Verfehlungen begangen wird. Heute beginnen deshalb nach Aufkommen des Coronavirus die Stimmen der Vernunft in der Welt danach zu rufen, zahlreiche falsche Verhaltensweisen zu korrigieren, welche in sämtlichen Lebensbereichen der Menschen Einzug gefunden haben. Sie sagen, dass der Coronavirus eine Zäsur in der modernen Geschichte der Menschheit bildet. Verlust von ethischem Bewusstsein, mangelnde Gewährleistung von Gerechtigkeit unter den Menschen und fairer Ressourcenverteilung – sei es in der Umweltpolitik oder in der Provokation von Kriegen und Auseinandersetzungen – gehören allesamt zu den Sünden, von denen die Menschheit reumütig abzulassen hat. Das Leid kommt hier als Warnung an sie, weiterhin den Weg der Ungerechtigkeit und Feindseligkeit zu gehen.

(Die 30. Konferenz fand vom 25.-28. März 2020 statt.)

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2020-04-04T13:55:29+00:00

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